Ausländer

Flüchtlinge

Nach dem Krieg überfluteten 800 Vertriebene das kleine Thüste. Aus ihrer Heimat in Schlesien und Ostpreußen geflohen, meist völlig mittellos kamen sie mit dem Zug, wurden zunächst in das heute abgerissene Arbeiterhaus gegenüber Harstrichs Hof gesteckt und danach 'zwangseinquartiert' bei den Bauern. Als Gegenleistung für Essen und Wohnung mussten die Vertriebenen auf den Höfen mitarbeiten. Oft waren es Stadtmenschen, die von Landwirtschaft in etwa soviel verstanden wie der durchschnittliche Thüster Bauer von Astrophysik und die nun mit den harten Realitäten des Landlebens konfrontiert wurden.

Niemand freute sich über die 'Pollacken', schon gar nicht, wenn man ihnen auch noch unfreiwillig Zimmer zur Verfügung stellen musste. Es werden Geschichten erzählt, dass die Eigentümer in ihren Zimmern der Holzfußboden mit der Axt aufhackten, nur damit keine ‚Pollacken’ dort einziehen konnte. War es nicht zu verhindern, wurden die ungebetenen Gäste oft schikaniert, um es ihnen so ungemütlich wie möglich zu machen und sie so schnell wie möglich zum Ausziehen zu bewegen.

"Wir waren die Polen. Mit den Jungen haben wir dann schnell Freundschaft geschlossen, aber die Alten blieben auf Distanz. Das waren lange Zeit zwei ganz verschiedene Welten in Thüste."

"Wir waren Flüchtlinge. Uns haben die gar nicht gesehen, die haben durch uns durchgeguckt."

"Die haben immer unser Schwein freigelassen, wenn wir gerade nicht da waren."

Nach und nach entspannte sich die Wohnsituation. Es wurden Häuser, ja ganze Siedlungen gebaut und die Flüchtlinge fanden auch Arbeit, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Die günstigen Baukonditionen in der 'Storchensiedlung' für Kinderreiche in Thüste, die Bergmannssiedlung für die Arbeiter von Humboldt in Wallensen milderten nach und nach auch den Dichtestress in Thüste, so dass ein entspannteres Miteinander möglich wurde.